Surfer in einer brechenden Welle
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Vereinfachung der Kommunikations- und Arbeitsprozesse mit Slack und Trello? Ein CEO, der Stahl über einen Online-Shop verkauft? Ein Politiker, der Vor- aber auch Nachteile der Beteiligung durch Social Media abwägt? Eine Führung von Mitarbeitern im Hoody und per Mausklick? Das Alumni-Meeting zum Thema „Zukunftsfähige Führung im digitalen Zeitalter“ mit einer Mischung aus Vorträgen, Workshops und Networking unterstrich die Dringlichkeit, dem Thema „Digitalisierung“ in den Unternehmen endlich die Bedeutung beizumessen, die es benötigt.

Es sind vor allem die Führungskräfte, die diesen Wandel in ihrer Organisation anstoßen und aktiv mitgestalten können. Folgenden Fragen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: 

Wie bereit ist jeder Einzelne

  • alte Muster zu durchbrechen?
  • in traditionellen, hierarchisch geführten Unternehmen mutige Entscheidungen zu treffen?
  • Ideen einfach auszuprobieren und
  • möglicherweise früh zu scheitern bzw.
  • Erfolgskriterien aus der Vergangenheit über Bord zu werfen?

Impulse, die Mut machen sollten, gab es beim Jubiläum und Alumni-Meeting der Executive Trainings zahlreiche.

Angefangen mit Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, der den aktuellen und „bahn“-brechenden Umbau des tradierten Konzerns und die Gründung zahlreicher Start-ups im eigenen Haus beschrieb und in seiner Präsenz, Tempo und Dynamik der Digitalisierung selbst verkörperte.

Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, dem wir den Titel dieses Blogbeitrags entlehnt haben, gab den nächsten Anstoß. Er berichtete, wie US-Universitäten dazu übergehen, mithilfe von Algorithmen, Studierende hinsichtlich ihrer Stärken und Neigungen durch den für sie erfolgversprechendsten Studiengang zu lotsen und sich somit die Abschlussquote um mehr als 60 % erhöht. Überraschend war auch sein Bericht und Beispiel zu IT-Fachkräften, die auf der Plattform „Stack Overflow’s“ die ehemals wie einen Augapfel gehüteten firmeneigenen Codes austauschen, und so gemeinsame Herausforderungen im Arbeitsalltag meistern. „Die Entwicklung vom `“IQ zum WeQ“ zeigt sich in vielen Bereichen und löst die Phasen „Wissen wissen“ und „Lernen lernen“  hin zu „Kenner kennen“ inzwischen ab“, so Dr. Jörg Dräger zu dieser neuen Entwicklung.

Diese Erkenntnis ließ nicht nur Führungskräfte, die noch „Top-Down“ gerichtet führen, aufhorchen.  In den sich anschließenden Vorträgen von Frau Professorin Isabell Welpe von der TU München und Dr. Ole Wintermann aus der Bertelsmann Stiftung wurde die Dramatik hinsichtlich des Entwicklungsstandes der digitalen Wirtschaft in Deutschland deutlich: Deutschland fällt bei der Marktkapitalisierung der Unternehmen der digitalen Wirtschaft im Ländervergleich dramatisch ab. Einzig und allein die USA nehmen hier, im Vergleich zu den im Allgemeinen wirtschaftlich starken Ländern Deutschland, Schweden und Südkorea, eine herausragende Stellung ein. Die drei wichtigsten Elemente einer erfolgreichen digitalen Transformation seien daher, laut Welpe, (1) Die Einbeziehung von Kundenerfahrungen (2) Die vollständige Automatisierung von Prozessen (3) Geschäftsmodell-Innovationen.

Was den Untersuchungen zufolge überraschenderweise keine Rolle spiele, sei die Ausstattung mit neuesten Technologien. Sollte also die lange angenommene Behauptung „Vorsprung durch Technik“ nicht mehr stimmen?

Dass ein Umdenken der oberen Führungsebene spürbare Auswirkungen auf eine gesamte Organisation haben kann, verdeutlichte Gisbert Rühl, CEO von Klöckner & CO in seinem Vortrag zum Abschluss der Konferenz. Ein Online-Shop für Stahl und die hierarchielose Kommunikation mit seinen Mitarbeitern sind nur zwei Ergebnisse, die Rühl als Meilenstein auf dem Weg ins digitale Zeitalter vorweisen kann. Führung muss Kreativität freisetzen, mutige Entscheidungen fördern und das Arbeiten in Netzwerken ermöglichen.  

Während der Konferenz war aber auch die Sehnsucht nach Orientierung und Entschleunigung in unserem Arbeitsalltag wahrnehmbar. Der Wunsch nach mehr Ruhe und Fokussierung: eine zwangsläufige Begleiterscheinung der Digitalisierung? „Achtsamkeit‘“ ist eines der meistgehörten Worte an diesem Tag als Alternative zur Schnelllebigkeit. Vielen Führungskräften scheint dieses Thema am Herzen zu liegen, da der zunehmende Druck sowohl auf sie selbst, als auch auf ihre Mitarbeiter den Wunsch nach einer ausgewogeneren Life-Balace laut werden lässt. Was leben Führungskräfte selbst vor? Und wie können sie sich und andere in diesem Zwiespalt führen?

Egal welche Schwerpunkte der Konferenz der einzelne Teilnehmer als Baustelle für sich und seine Organisation erkannt hat, es ist einmal mehr deutlich geworden, dass wir zwar einen Weg in eine digitale aber damit auch in eine unsichere Zukunft beschreiten. Wir wissen sehr genau, dass wir Machtorientierung, Top-Down Führung und Silo-Strukturen nicht mehr wollen. Nur wie nutzen und entwickeln wir die neuen, digitalisierten Strukturen und lassen die alten los?

Die Digitalisierung kommt in der Tat wie ein Tsunami auf uns zu: durch eine Informationsschwemme, durch eine nie gekannte Effizienz und Transparenz in der Dokumentation von Prozessen und Verhalten, durch den Wegfall der alten Welt und Auftauchen neuer Geschäftsmodelle. Deshalb gilt es, eine Kultur zu schaffen, in der der Mut zu Innovation sowie eine hohe Fehlertoleranz gelebt werden, denn so erhöht sich die Chance, auf der Welle der Digitalisierung mit zu surfen. Und mit diesen Worten: Danke!

Unser Dank gilt allen Referierenden, die das Thema Digitalisierung aus unterschiedlicher Perspektive in den Blick genommen haben. Und nicht zuletzt den Teilnehmern, unseren Alumni, die uns 10 Jahre lang treu geblieben sind und den kontinuierlichen Austausch und ein großartiges Netzwerk ermöglichen. 

Statements am Rande des Alumni-Meeting 2016

  • ... Sebastian Borek, CEO der Founders Foundation, zur Dezentralisierung von Führung durch Digitalisierung

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  • ... Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, zu Personalfindung und Transparenz im digitalen Zeitalter

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  • ... Angelika Huber-Straßer, Alumna der Executive Trainings, zu den Herausforderungen der Digitalisierung

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  • ... Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, zur Herausforderung der "digitalen Partizipation"

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  • ... Meike Niedbal, Alumna der Executive Trainings, zu zwei besonderen Facetten des digitalen Wandels

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  • ... Prof. Dr. Heiko Roehl, Organisationswissen- schaftler und langjähriger Begleiter der Executive Trainings, zu Mut und Ehrlichkeit in einer digitalisierten Welt

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  • ... Gisbert Rühl, CEO von Klöckner und Co SE, zur Notwendigkeit radikaler Ideen für digitalen Fortschritt

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