Smartphone mit Miniatur-Menschen
Heiko Roehl

Tag 1 | Montag, den 06.03.2017

Der erste Tag war so ereignisreich, dass es mir schwer fällt alles in einem kurzen Bericht zusammenfassen.

Wir, das sind ca. 40 Teilnehmer aus den verschiedensten Unternehmen Deutschlands, beginnen mit einer interessanten und sehr erfrischenden Führung (erfrischend - im wahrsten Sinne des Wortes, denn es ist hier für die Jahreszeit ungewöhnlich kühl) über den Campus der Stanford University. Mir war nicht bewusst, wie groß diese Universität ist! Hier zu sein fühlt sich an, wie in einer besonderen Welt zu sein. Einer Welt, in der man auf unterschiedliche Nationen trifft, in der man sich frei fühlt, in der man den Spirit von Forschung und Wissenschaft spürt und in der man Lust bekommt Fahrrad zu fahren!

Diese offene Stimmung setzt sich auch beim Check-In der LeadershipGarage fort – es ist das erste Vorstellen und Kennenlernen der Teilnehmer untereinander.

Nach einer Begrüßung von Prof. Dr. Sabine Remdisch, der Organisatorin der LeadershipGarage, folgt dann der Vortrag zum Thema ‚Linking Disciplines in Silicon Valley‘ von Prof. Dr. Michael Shanks – ein Archäologieprofessor, der es außerordentlich gut versteht die Forschungen der Vergangenheit mit der digitalen Zukunft zu verknüpfen und dem es gelingt die Unterschiede zwischen hierarchischen  und heterarchischen Führungsstilen sehr anschaulich zu erläutern.

Diese Eindrücke nehmen wir mit ins HanaHaus, ein Ort, in dem sich die Kreativen der digitalen Welt treffen und austauschen können. Wir haben hier die Gelegenheit ein sehr authentisches Gespräch über das ‚Leben im Silicon Valley‘ mit einem einheimischen Ehepaar zu führen, was wir bei einem gemeinsamen Abendessen fortsetzen.

Nach all den Erlebnissen bleiben mir die Worte von Prof. Shanks im Kopf: „Being ready for things you aren’t ready for!“ Dieser Satz beschreibt genau meine Gefühle am Ende dieses Tages – er ist für mich das Motto der Woche und ich werde ihn mit nach Hause nehmen!

Wiebke Terjung, 
UFA GmbH

Tag 2 | Dienstag, den 07.03.2017

Nach unserer Uber-Fahrt – mit Michaela, die eigentlich ein Catering Start-up mit ihrem Mann betreibt, aber nun von Mann und Catering Abstand braucht und deshalb heute unsere Uber-Fahrerin ist - treffen wir in der Nora Suppes Hall ein. Unser zweiter Tag ist nicht weniger beeindruckend als der erste:

Für Prof. Dr. Keith Devlin (“Math Guy” und Radfahrer) ist Mathematik der Schlüssel zur Welt. Mit dem von ihm entwickelten Computerspiel „BrainQuake“ zeigt er wie kraftvoll Mathematik in dieser Form sein kann, dass Computerspiele zu intensivster Wahrnehmung führen und damit zu maximaler Motivation, was Lernerfolge sicherstellt. Nur Radfahren im Wettkampf mit seinen Silicon Valley-Kollegen, um kreative umsetzbare Ideen zu entwickeln, will er nicht durch ein Computerspiel ersetzen.

Dann setzt Barry Pousman jedem von uns die VR-Brille auf: Die virtuelle Realität ist für ihn der ultimative Schritt der Evolution; er hat unbedingten Optimismus an die Umsetzbarkeit des virtuellen Tagtraums. In 20 Jahren wird nach seiner Ansicht niemand mehr Reisen, virtuelle Realität ersetzt das Reisen. Mit der VR-Brille auf dem Kopf kommt mir die virtuelle Welt überraschend nahe. Ich bin komplett abgekoppelt von den realen Eindrücken, von den Kollegen, die in der Schlage darauf warten, die Brille aufzusetzen. Ich drehe Kopf mit Brille und schaue zu der virtuellen Tür, die jemand öffnet. Ein Mann betritt den virtuellen Raum zu Gehaltsverhandlungen mit mir; es ist für eine Weile so, als ob ich Teil der Szene bin. Ich würde ihn gerne begrüßen, aber das verhallt. Ich schaue an mir herunter, aber sehe meine Füße nicht. Ich setzte die Brille ab. Das Wasser im Brunnen des Hofes rauscht wieder so angenehm wie der Wind, der durch die Bäume streift, die Sonnenstrahlen blenden – die reale Welt erscheint umso kostbarer.

Barry erzählt uns von seinem Projekt für die UN: Das Projekt hatte das Ziel, die Spendenbereitschaft zu erhöhen. Virtuelle Realität erzeugt in seinen Augen stärker Emotionen und Empathie als andere Medien. Emotionen und Empathie korrelieren für ihn mit Performance. Die Flüchtlingskrise bleibt durch virtuelle Realität nicht mehr abstrakt, durch seine Bilder sollen wir uns in das Flüchtlingscamp in Jordanien hineinversetzt fühlen. Distanz soll verlorengehen. Er erreicht sein Ziel für das UN-Projekt: Die Spenden erhöhen sich beachtlich. Mir stellt sich die Frage, ob wir uns nicht auch an diese virtuellen Bilder so gewöhnen, dass wieder stärkerer Reize erforderlich sind, um Emotionen und Empathie zu erzeugen. Daniela Busse – eine energetische eloquente deutsche Bankerin aus dem Silicon Valley, die einen Tag später eine unserer Vortragenden sein wird, erzählt mir von dem Sohn einer Freundin, der Bäume „swiped“, wenn er sie anfasst. Virtuelle Realität und reale Welt sind für ihn schon eins. Die Wahl scheint für den Jungen verloren gegangen zu sein. Schön, dass wir diese Wahl noch haben.

Frau S.C. Moatti nimmt den Faden auf, dass Emotionen mit Performance korrelieren. Ihr Anspruch ist, dass die besten mobilen Produkte lernen während wir sie benutzen, dass die besten mobilen Produkte uns eine Bedeutung geben müssen und dass sie über Schönheit funktionieren. Das klingt sehr versöhnlich.

Stefan Grabmeier und Andreas Meya machen aus uns dann am Ende des Tages aktive Teilnehmer mit Lego – Serious Play. Wir erhalten die Aufgabe aus fünf Steinen eine Ente zu bauen – am Ende haben wir so viele Entenarten wie Teilnehmer. Jeder Teilnehmer gewinnt den Eindruck, einen entscheidenden Beitrag geleistet zu haben, auch wenn einige Objekte nicht die Bezeichnung „Ente“ verdienen. Bei den von uns gebauten aktuellen Führungsmodellen sieht es nicht anders aus. In dem wir bauen, machen wir abstrakte Zusammenhänge mit bunten Steinchen sichtbar, um diese dann zu erklären. Jeder hat eine gleichberechtigte Rolle und kommt zu Wort. Lego ist das Transportmittel, um die Vielfalt auszudrücken.

Dr. Anja Huber
AIRBUS SAFRAN LAUNCHERS

Tag 3 | Mittwoch, den 08.03.2017

Der Tag stand unter dem Motto “Design & Technology” und beinhaltete mehrere spannende Site-Visits. In einer kleinen Gruppe haben wir uns bereits um sieben Uhr auf den Weg gemacht, um vor unserem Besuch bei der NASA noch schnell einen Eindruck vom Google Campus zu bekommen. Der Campus ist genau so, wie man es von den Berichten her erwartet hätte: Eine Flotte bunter Google-Fahrräder findet sich an jeder Ecke. Überall laden Sitzgelegenheiten ein im Freien auszuruhen oder zu arbeiten. Eine sehr relaxte und offene Atmosphäre. Hier würde ich auch gerne arbeiten.

Offiziell startete unser heutiges Programm dann am Ames Visitor Center der NASA. Hier erfuhren wir, wie stark eingebunden die NASA in das Wirtschaftsnetzwerk des Silicon Valley ist. Viele Beispiele machten deutlich, wie sehr dieses sehr lebendige Netzwerk zu den Innovationen nicht nur der NASA, sondern auch der einzelnen beteiligten Unternehmen beiträgt. Erkenntnisse aus der Raumfahrt finden so ihren Weg in die Rehabilitationsbehandlung Schwerverletzter (http://vasper.com) oder der 3D-Druck, der andersherum im All für den notwendigen Nachschub an Ersatzteilen sorgt.   

Mit Uber ging es dann zurück zum Campus der Stanford University. Dort berichtete uns Stefan Schnabel von seiner Arbeit bei Google. Die Arbeitsbedingungen haben mich sehr beeindruckt, insbesondere im Vergleich zu den in den USA sonst üblichen Bedingungen. Eines ist klar: Wenn man in den USA arbeiten möchte, dann am besten bei Google!

Nachmittags erwartete uns dann ein weiteres Highlight. Wir waren Gäste bei der d.school. Was soll ich sagen… Wow! Ein Ort der Inspiration und Kreativität. Sehr gut durchdachtes Chaos. Hier werde ich viele Ideen mitnehmen. Insbesondere die geplante Lässigkeit der „Besprechungs“-Räume und die unterschiedlichen Herangehensweisen, die ein entspanntes und damit kreativeres Brainstorming ermöglichen, fand ich sehr überzeugend.  

Der Tag endete bei einem spannenden Meetup, organisiert von Hacker Dojo mit Pizza und Gesprächen im Kreise (werdender) Unternehmer.

Dr. Alexandra Schmied
Bertelsmann Stiftung 


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