Smartphone mit Miniatur-Menschen
Heiko Roehl

Tag 1 | Montag, den 20.03.2017

Montagmorgen, 10 Uhr geht es los. Im schön gelegenen Seehotel in Niedernberg bei Frankfurt treffen wir uns in einem großen, sehr hellen Saal. Wir, das sind 20 wunderbare, interessante Frauen, die beiden Trainerinnen und Helena Ernst von der Bertelsmann Stiftung, die von ihrem Kollegen Jean Maron unterstützt wird.

Der Tag startet mit dem ersten gespannten Kennenlernen. Wer hat sich entschieden an dieser Woche teilzunehmen? Was ist die Motivation, der Hintergrund, die Persönlichkeit? Wir strecken die Fühler aus, entdecken erste Gemeinsamkeiten. Schnell wird klar, dass alle mit großer Offenheit Erfahrungen teilen und voneinander lernen wollen. Der Bogen der Ausbildung, beruflichen Erfahrung und der Branchen ist sehr breit.

Das erste Thema behandelt Organisationsmodelle. Wir reflektieren, wo jede von uns in ihrem Unternehmen steht. Es entstehen Bilder, die wir uns im Semiplenum vorstellen und mit denen wir uns über ein erstes Feedback der anderen Teilnehmerinnen intensiv auseinandersetzen. Die ersten Denkanstöße und Impulse fließen in die Gespräche in den Pausen. Eine Kollegin kommentiert: „Es rattert in meinem Kopf“.

Am Abend haben wir die Gelegenheit, Dr. Elisabeth Denison, Mitglied des Vorstandes der Deloitte GmbH kennenzulernen. Sie gibt uns im Rahmen eines sehr lebendigen Dialogs Einblicke in ihren Weg in diese herausragende Managementposition, spricht offen über ihre Rolle, Herausforderungen und beantwortet bereitwillig viele neugierige Fragen. Für unsere Gruppe ist der Austausch eine wertvolle Einsicht, Inspiration und ein Ansporn die Woche zu nutzen, unseren eigenen Weg zu gestalten.

Mit einem leckeren gemeinsamen Tischpicknick beschließen wir diesen ereignisreichen Tag.

Dr. Anja Preißmann, 

Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co KG

 

 

Tag 2 | Dienstag, den 21.03.2017

„Reframing“ – Technik, um Situationen, die man nicht verändern kann, besser annehmen zu können. Beispiel gefällig? Das Wetter in Bad Niedernberg, wo unsere Hotel- und Tagungsanlage liegt, ist an diesem Tag eher grau und regnerisch – könnte schöner sein. Aber nein – kurz reframen: Sonne wäre verführerisch, Regen ein hilfreicher Umstand, der uns nicht von unserer Arbeit an diesem Tag ablenken wird! Also: Angenommen und gewonnen!

Das Thema dieses zweiten Trainingstages: Zukunft. Wo steht Dein Unternehmen idealerweise in 2030? Welche Bedingungen, Change-Maßnahmen bedarf es dazu? Wo siehst Du Dich persönlich in fünf Jahren? Welche Erfolgsfaktoren unterstützen Dich dabei? Welche Hindernisse siehst Du?

Phantasiereise, Malen, Gruppenarbeiten und Feedbackrunden – in den Diskussionen zu den Zukunftsperspektiven der einzelnen Unternehmungen und Organisationen sowie in der individuellen Reflexion jeder einzelnen Teilnehmerin zu ihren persönlichen Vorstellungen wird es ernst und tiefgründig.

Kein Zweifel: In den meisten Unternehmen laufen bereits sehr große Change-Prozesse, die für die Zukunft die Weichen stellen sollen. Digitalisierung ist hier ein großer Treiber, neues Kundenverhalten, auf das die Unternehmen sich einstellen müssen, aber auch neue Anforderungen der Arbeitnehmer – als Führungskraft gehen wir tagtäglich damit um.

Die heutige Keynote-Speakerin, Mirjam Mohr, ist das perfekte und vor allem sehr erfolgreiche Beispiel dafür: Seit 2010 mit Ende 30 in den Vorstand der Interhyp AG aufgestiegen, versucht sie mit viel Authentizität, einer klaren Haltung, fachlicher Exzellenz und gleichzeitiger Wertschätzung für den einzelnen Mitarbeiter das Unternehmen zu prägen. Sie ist eine rasante Rednerin und denkt wahrscheinlich noch einmal so schnell. Dabei hat sie laut eigener Aussage als studierte Mathematikerin im Laufe ihrer Karriere gelernt: „Die Wahrheit liegt meistens zwischen 0 und 1.“ Rückkopplung mit ihren Teams, der menschliche Faktor im Unternehmen und das gegenseitige Vertrauen – eben die Grautöne – sind ihr sehr wichtig geworden. 

Dr. Malva Kemnitz

Bertelsmann Stiftung

Tag 3 | Mittwoch, den 22.03.2017

Mittwoch, Halbzeit also, in dieser sehr intensiven Woche, die 20 tolle Powerfrauen aus den unterschiedlichsten Unternehmenszweigen in Deutschland zueinander geführt hat. 

Der Tag begann – wie auch die vorangegangenen Tage - mit einem wunderbaren reichhaltigen Frühstück. Leicht erschöpft, und sicherlich auch mit vielen eigenen Gedanken beladen, konnten wir uns nochmal für die nächsten Stunden stärken. Beim heutigen Tag sollte es sich um das Thema Macht und Bühne drehen. Schnell noch mit einem Café Latte gewappnet, ging es dann um Punkt 9 Uhr los. Was uns dann jedoch erwartete, übertraf die Erfahrungen der Vortage um ein Vielfaches. Worüber profilieren wir uns? Wie verschaffen wir uns unsere Bühne? – bewusst – unbewusst. Jede bekam ihr Feedback: knallhart, unverpackt – ehrlich. Wollten wir es wissen? JA! Hmm… JEIN! Ähh, vielleicht?! Ok, noch ein Päckchen mehr zum Grübeln, und weitergehen.

Aber dieses Training wäre nicht so erfolgreich, wenn wir uns dann nicht doch auch über die eigenen Bühnen für eine erfolgreiche Profilierung und über unbeliebte Profilierungsmethoden Gedanken gemacht hätten. Auf jeden Fall etwas Greifbares zum Mitnehmen für späteres Anwenden und Verfeinern. Dann durften wir unseren dritten Gast – Frau Iris Jeglitza-Moshage, Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Frankfurt Exhibition GmbH, begrüßen.Mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen erzählte uns die gebürtige Ostwestfälin mit dem etwas komplizierten Doppelnamen ihren überaus spannenden Werdegang. Als Geisteswissenschaftlerin (Historikerin für mittelalterliche Geschichte sowie Kommunikations-& Politikwissenschaften) war ihr Berufsweg eher ungewöhnlich. Sie entschied sich gegen die akademische Laufbahn und eignete sich schon früh erste Führungserfahrung an, die sie dann in den folgenden Stationen ihrer Laufbahn ausbaute.

Heute treffen wir auf eine sehr reflektierte Frau im Mittelpunkt der Macht mit viel Feuerwerk im Alltag. Eine Frau, die mit einer Messerschärfe ihre Gedanken formuliert und ihr Weltbild dankenswerterweise mit uns teilt. Nach dem Mittagessen ging es dann tiefer ins Zentrum der Macht. Was bedeutet Macht? Was macht Sie mit uns? Und wie spielen wir diese für unsere Ziele entsprechend positiv aus? Bei einem Rundgang um den See konnten wir dann in unsere Vergangenheit abtauchen. Wann sind wir in unserem Leben schon einmal mit Machtgefügen in Verbindung gekommen und was hat diese Erinnerung in uns ausgelöst? Es war nicht nur ein willkommener Walk für die Verarbeitung des grandiosen Mittagsbuffets, sondern auch eine wohlige körperliche Empfindung - von Kopf bis Fuß, mit Schmetterlingen und Gänsehaut. Fazit: Wir wollen diese Macht – Wir, alle 20 Powerfrauen.

Vielleicht unter einem etwas mehr positiv belegten Begriff. Aber ja, wir wollen sie.Wichtig dabei: verantwortungsvoll damit umgehen! Sie nutzen, um uns, unsere Umgebung und unsere Gesellschaft positiv zu gestalten. Für uns, unsere Kinder und unsere Zukunft!

Julia Marhan

B.Braun Melsungen 

Tag 4 | Donnerstag, den 23.03.2017

Die vergangenen Tage stecken uns heute Morgen noch spürbar in den Knochen. Passenderweise startet der Tag mit einer Reflexion des bisher Gehörten und Erlebten. Es zeigt sich, dass es in uns allen arbeitet. Unbeteiligtes Zuhören ist für niemanden mehr möglich. Wie schön, dass es jedem Teilnehmer so geht! Doch bevor wir zu sehr in der Vergangenheit verweilen geht es auch schon weiter: jeder sucht seinen größten USP und stellt sich mit diesem der Runde vor. Es überrascht und begeistert mich immer wieder, wie 20 starke und interessante Persönlichkeiten auf so vielfältige Weise ein und dieselbe Aufgabe bearbeiten. Die Teilnehmer in ihren unterschiedlichen Facetten sind bereits jetzt der größte USP dieses Trainings, soviel steht für mich heute schon fest.

Mittags nutzen einige Teilnehmerinnen die Angebote zu einem persönlichen Coaching, andere haben hierfür bereits einen geeigneten Teilnehmer angesteuert und so gestaltet sich die Pause zu einem wichtigen Element des Austauschs und Lernens – unsere Trainer hätten sicher große Freude an den inhaltsvollen Gesprächen zwischen dem eigentlichen Lernen.

Nachmittags zeigt das Wetter zum ersten Mal seine schöne Seite. Die Sonne scheint über den See zu uns herein – und niemand sieht hin. Der Grund sitzt in unserer Mitte und heißt Bascha Mika. 

Was für eine beeindruckende Person. Wir hängen an ihren Lippen, folgen ihr durch ihre Ausbildungsjahre und durchlaufen mit ihr alle beruflichen Stationen. Doch es sind nicht ihre Errungenschaften, die uns an sie fesseln, sondern ihre Einstellung. Ihre Ansicht zu Welt und Wirtschaft, Kultur und Kommerz – Möglichkeit und Verpflichtung. Bascha fesselt uns und ergänzt die vorangegangenen Rednerinnen um eine große Portion persönlicher Verantwortung. Diese hat jede von uns, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die wir als Führungskräfte besitzen – und um die Welt ein Stück weit mit zu formen.

Nach ihrem Vortrag und einer entsprechend angeregten Diskussion um viele Verpflichtungen und Möglichkeiten unseres eigenen Wirkens ist eines ganz klar für jeden von uns: 20 starke Frauen werden morgen noch gestärkter zurück in ihr jeweiliges Leben gehen. 

Mara Batato

Interhyp AG

Tag 5 | Freitag, den 24.03.2017

Die Sonne steigt auf über dem See. Die Luft ist kühl und am Ufer joggen zwei meiner Seminar-Kolleginnen durch die morgendliche Stille. Sie unteralten sich und sehen entspannt aus, ganz bei sich. Der letzte Tag unseres Seminars in Niedernberg hat begonnen.

Der Tag heute ist geprägt von dem gegenseitigen Vorstellen der individuellen Projekte, welche jede von uns in den nächsten Monaten verfolgen will. Da stehen diese unglaublichen Frauen: Sie haben sich reflektiert, haben Feedback genommen und gegeben, sie haben sich hinterfragt, sie haben sich fokussiert und kreative Ideen für ein tolles Projekt erarbeitet. Nun stehen sie, wie auch ich, vor dem Plenum und stellen ihr Projekt vor. Ganz konkret! Was will ich bis wann erreichen und wie ist mein Weg dorthin. Feedback und Empfehlungen sollen letzte Hilfestellung geben.

Sie sind so stark, fokussiert, zielstrebig und gut. So wertvoll für ihr Unternehmen, für ihre Familie und für sich selbst.

In der abschließenden gemeinsamen Session ging es um die Organisation des zweiten Seminar-Teils und um Feedback / Abschluss-Statements:

  • Ein Seminar, was ausgereift und professionell ist.
  • Coaches die toll sind, individuell starkes Feedback geben und dabei noch toll aussehen ;-)
  • Ein Hotel, welches perfekt geeignet war und Körper und Geist verwöhnte, mit tollem    Essen, fantastischem Service, großartigen Räumlichkeiten und einem tollen See.
  • Referentinnen die inspirierend, energiegebend, beeindruckend, souverän und  interessant waren
  • Eine Gruppe von Frauen, die durch Offenheit, vertrauen, Hilfe, Lachen, Emotionen und offene Arme dieses Seminar wertvoll machen
  • Literatur zum Sichten und Durchblättern in hohem Maße
  • Und sogar Geschenke!!!

Beim Abschied verabreden wir uns. Ein wenig traurig war ich, denn alle diese Frauen haben mich bewegt. Aber: wir wollen Kontakt halten und wissen, dass wir uns in spätestens sechs Monaten wieder sehen werden!

Christine Keike Gaida

ING-DiBa AG


Publikation

Führungsfrauen - Wie man sie findet und wie man sie bindet

Wie kann es gelingen, die Führungsetagen in deutschen Unternehmen vielfältiger zu gestalten – mit Männern wie auch mit Frauen? Die Zahlen ... weiterlesen

Publikation

Am Limit

„… die Ängste und Sorgen nehmen zu. Lasst uns ehrlich sein: Die Welt ist komplex und unsicher. Und keiner hat die Glaskugel, um in die Zukunft ... weiterlesen

Publikation

(Ver-)Führung zur Chancengleichheit

Wer kann aktiv und effektiv etwas tun, damit in Deutschland die Zahl der Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten steigt? Die Antwort liegt ... weiterlesen

Publikation

Der Erfolg steht Ihnen gut

Es gibt Frauen in einflussreichen Positionen und an der Spitze von Unternehmen. Doch warum sind es immer noch so wenige? weiterlesen