Anja Schlenk im Interview

Auf Wunsch vieler Führungskräfte hat das Kompetenzzentrum Führung und Unternehmenskultur ein Format entwickelt, das neben den Fragen um das Thema Job und Karriere auch die Persönlichkeit und das Privatleben noch stärker in den Blick nimmt. Creating Corporate Cultures wollte mehr über die Intention sowie Inhalt und Zielgruppe erfahren und hat dazu Anja Schlenk befragt. 

 

Was ist das Ziel des Formats Checkpoint Karriere und warum bietet die Bertelsmann Stiftung ein solches Format an?

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen verändern sich in der heutigen Zeit immer mehr und immer schneller. Gewohnte Strukturen im Berufs- und im Privatleben lösen sich auf. Diesen Tatsachen wollen wir etwas entgegensetzen und den Menschen  Orientierung geben. Die Gestalter der Zukunft in Unternehmen sind Menschen, und wir wollen ihnen zeigen, wie sie sich ihrer Rolle bewusst werden und sie kompetent und verantwortungsvoll ausfüllen. Schon unser Gründer, Reinhard Mohn hat immer wieder die Bedeutung von guter Führung als einen Teil der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen betont. Gute Führung fängt bei uns selbst an. Sie erfordert eine innere Klarheit, eine Haltung, die sich im täglichen Verhalten einer Führungskraft zeigt. Nur wer sich selbst gut führt, kann auch seine Mitarbeiter gut führen. Und da setzen wir beim Checkpoint Karriere an.

Für welche Personen ist das Format Checkpoint Karriere geeignet?

Am Checkpoint Karriere teilzunehmen, kann in vielen unterschiedlichen Lebensphasen sinnvoll sein. Das Format  hilft Führungskräften, sich ihrer Werte, ihrer Haltung und ihrem eigentlichen inneren Kompass bewusst zu werden, um dadurch authentischer und klarer zu führen. Führungskräfte, die stark belastet sind oder in einer Phase der inneren Zerrissenheit stecken, können hier wieder ihren persönlichen Fokus finden. Genauso kann es Menschen Orientierung in Umstrukturierungsprozessen oder nach der Rückkehr aus einer Elternzeit vermitteln. Geeignet ist eine Teilnahme auch für junge Menschen, die bei ihrer Lebensplanung unterstützt werden möchten. Junge Menschen bringen häufig eine hohe Leistungsbereitschaft und viel Energie mit. Sie zeigen jedoch oftmals gleichzeitig eine gewisse Anspruchshaltung an eine work-life-balance. Das Ziel für alle Teilnehmer - egal welcher Beweggrund sie nun antreibt - sollte es jeweils sein, eine klarere Vorstellung der privaten und beruflichen Ziele zu entwickeln und einen Maßnahmenplan für die Umsetzung zu erstellen, der im Checkpoint Karriere aus vielerlei Blickwinkeln auf Umsetzbarkeit geprüft wird.   

Anja Schlenk im Interview zu neuem Format

Was erwartet mich als Teilnehmer im Checkpoint Karriere?

Im Checkpoint Karriere finden die Teilnehmenden 2, 5 Tage Zeit, um fernab von den üblichen Herausforderungen des Alltags eine persönliche Standortbestimmung vorzunehmen. Dabei wird es – obwohl das Wort „Karriere“ im Titel enthalten ist – nicht ausschließlich um die Karriere gehen, auch wenn wir mit der Bestimmung des beruflichen Status Quo beginnen. Jeder Mensch bringt sich immer als „Ganzes“ mit in ein Unternehmen ein. Das heißt, der private Teil wird ja nicht an der Türschwelle abgetrennt, sobald wir das Gebäude unseres Arbeitgebers betreten. Im Checkpoint Karriere werden wir uns deshalb auch mit den Aspekten unseres Lebens beschäftigen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zwangsläufig mit der Karriere zu tun haben mögen. Fragen wie zum Beispiel: Welche Bedeutung hat für mich Partnerschaft und Familie oder Freundschaft? Wenn Sie keine Familie haben, wie erstrebenswert ist es für Sie, eine Familie zu gründen? oder Von wem oder was bekomme ich Energie?, dienen der Selbstreflexion. Wir werden neben diesen Fragen zunächst schauen, wo jeder einzelne Teilnehmer steht, um in einem weiteren Schritt zu überprüfen, inwieweit dieser aktuelle Standort mit den einstigen Vorstellungen unseres Lebens übereinstimmt. Was war meine Vision und in wieweit bin ich noch auf Kurs?

Ist so etwas nicht sehr privat?

Ja, das ist es in der Tat! Unsere Erfahrung der letzten zehn Jahre zeigt uns aber, dass auch die privaten Themen eine wichtige Rolle für den Job und die Karriere spielen. Erst wenn wir uns dessen bewusst sind, lernen wir eigentlich am nachhaltigsten. Alleine die Tatsache, dass wir fernab des gewohnten Alltages, der normalen Umgebung und der vertrauten Menschen zusammen kommen, erleichtert uns den distanzierten Blick auf uns selbst. Und die Erkenntnis in der Gruppe, dass es viele gemeinsame Themen gibt, trägt enorm. Das Voneinander-Lernen und die gegenseitige Unterstützung bringen den Teilnehmern einen wahren Energieschub. Oft begegnen einem dann auch die Fragen nach dem Sinn, zu dem, was wir so machen. Wir alle kennen die Vorsätze, uns schon lange mal Zeit für bestimmte Fragen zu nehmen – und der Alltag grätscht uns dazwischen. Wir sorgen für den nötigen Raum, in dem es endlich mal Platz gibt, sich Themen zu stellen. Und das gegenseitige Commitment am Ende, bis zum zweiten Modul an den von jedem Teilnehmer entwickelten Handlungskonzepten zu arbeiten, hat auch etwas Verpflichtendes. Die Teilnehmer sprechen bei den Executive Trainings dann häufig davon, dass sie sich gegenseitig verantwortlich fühlen für ein Gelingen der Projekte der anderen. 

Es gibt also ein Folge-Modul?

Ja, das ist uns wichtig, damit das Training nachhaltig ist. Nach sechs Monaten kommt die Gruppe noch einmal zusammen und berichtet, was gelungen ist, aber auch, wo es Probleme gab. Dann wird erneut der Erfahrungsschatz der Gruppe genutzt, um nach Lösungen zu suchen. Mit dieser besonderen Lernarchitektur und durch die Aufteilung in zwei Module haben wir hervorragende Erfahrungen gemacht. Uns ist sehr daran gelegen, dass die Veranstaltung keine Schön-Wetter- oder Wellness-Veranstaltung ist, sondern dass sie die Umsetzung der Handlungskonzepte der Teilnehmer in die Praxis bestmöglich vorbereitet. Und sollte es zwischendurch Fragen geben, stehen wir oder die Gruppe selbst natürlich auch zur Verfügung.

Für mehr Informationen: www.creating-corporate-cultures.org/checkpointk